Dorsten während der belgischen Besatzungszeit

Vorstellung einer Quellenedition (von Dr. Patrick Könemann - 05.11.2026)


Am 13.Oktober gaben Dr. Matthias Kordes, Leiter des Instituts für Stadtgeschichte in Recklinghausen, und der Gladbecker Lokalhistoriker Ralph Eberhard Brachthäuser bei einem gut besuchten offenen Gesprächsabend spannende Einblicke in die Zeit der belgischen Besatzung in Dorsten zwischen 1923 und 1925.

Herr Dr. Kordes stellte einleitend zunächst die seit dem 17. Jahrhundert gehegte Praxis von Friedensschlüssen vor, bei der die Kriegsparteien als friedensstiftende Maßnahme vertraglich nachträgliche Ersatzleistungen ausschlossen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde dieser in Europa über Jahrhunderte gepflegte Grundsatz im Versailler Vertrag vollständig aufgegeben. Deutschland musste die Kriegsschuld eingestehen und für entstandene Kriegsschäden aufkommen.

Als das Deutsche Reich 1923 in Zahlungsrückstand geriet, besetzten französische und belgische Truppen das Rhein-Ruhr Gebiet. Dorsten wurde bis 1925 von belgischen Soldaten besetzt.

Zur Aufarbeitung dieser Zeit entstanden nach 1925 in mehreren Kommunen des Rhein-Ruhr-Gebiets Chroniken, die die franko-belgische Besatzung und die Eingriffe in das örtliche Leben sowie den passiven Widerstand schildern. Auch in Dorsten stellten Verwaltungsbeamte eine vierzehnseitige Chronik zusammen. Sie ist eine eindrückliche lokalhistorische Quelle für die Zeit der belgischen Besatzung. Diese Dorstener Chronik stellte Ralph Eberhard Brachthäuser im zweiten Teil des Gesprächsabends vor. Anhand einiger Beispiele wurde das rücksichtlose und willkürliche Verhalten der belgischen Besatzer geschildert.

Die Dorstener Chronik wurde als bearbeitete Edition in der Vestische Zeitschrift Band 110 - 2024/25 von Dr. Matthias Kordes und Ralph Eberhard Brachthäuser veröffentlicht.

Patrick Könemann

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