„Es lebe die Freiheit“: Gedenken an die Geschwister Scholl

Autor Hermann Vinke gedachte der Geschwister im Treffpunkt Altstadt (von DZ: Guido Bludau - 24.02.2026)


Altbürgermeister Lambert Lütkenhorst hielt sich zu Beginn nicht mit einer Begrüßung auf: Chronologisch listete er den 22. Februar 1943 am Volksgerichtshof in München auf: 10 Uhr Verhandlungsbeginn gegen die Mitglieder der Widerstandsbewegung Weiße Rose: Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst. „13 Uhr. Also genau jetzt vor 83 Jahren. Das Urteil. Tod durch das Fallbeil.“ Um 17 Uhr erfolgt die Hinrichtung: „Noch unter dem Fallbeil ruft Hans Scholl: ‚Es lebe die Freiheit.‘“

Es war eine eindringliche Atmosphäre am Sonntagmittag im Treffpunkt Altstadt, in dem eine Ausstellung das Leben der Geschwister Scholl nachzeichnete. Durch die regennassen Scheiben konnten die Besucher die Tisa-Stele zu Ehren der Geschwister Scholl an ihrem neuen Standort sehen. Für den sich laut Bürgermeister Tobias Stockhoff insbesondere Stadtbaurat Holger Lohse stark gemacht hatte.

Journalist und Autor Hermann Vinke hatte sich für sein Buch „Das kurze Leben der Sophie Scholl“ (1980) so sehr in die Briefe und Tagebucheinträge von Sophie Scholl vertieft, dass sie ihm laut eigener Aussage wie eine weitere Schwester vorkam. Sophie Scholl sei „Motor und Herz“ der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ gewesen: „Vermutlich die entschlossenste und radikalste Widerstandskämpferin unter den Studenten“, so das Fazit von Vinke. Für ihn geht es aber nicht nur um Geschichte, sondern vor allem um die Gegenwart: „Mit der Verteidigung dessen, was unsere Grundwerte sind und wofür die Münchner Studentinnen und Studenten und andere in der Zeit des Nationalsozialismus ihr Leben hingegeben haben, befinden wir uns mit unserer Demokratie in der Defensive.“ Zwei Strömungen bedrohten unseren Rechtsstaat: „Der rasante Auftrieb rechtspopulistischer und rechtsradikaler Strömungen.“

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA, wo Vinke in den 80er-Jahren Korrespondent war, und sich so etwas „nie hätte vorstellen können“. Das zweite Problem: „Die Meinung vor allem in der Mittelschicht, wonach Regierungen und Parteien nicht mehr in der Lage sind, die Probleme und Herausforderungen der modernen Gesellschaft zu meistern.“

Dies gelte es zu durchbrechen, so Vinke. Man müsse die Spaltung derjenigen, „die trefflich abgesichert sind, und jenen, die abgehängt sind“, abbauen. Das Zeitfenster zur Trendumkehr werde immer kleiner, so Vinken, der aktuell eine „Flugschrift“ mit dem Titel „Entscheidet euch“ zum Wahljahr 2026 herausgegeben hat. Darin macht er Vorschläge zur Trendumkehr: Jungwählerinnen und -wähler dürften nicht länger im Netz demokratiefeindlichen Einflüssen ausgesetzt sein. „Das muss gestoppt werden.“ Man brauche „Ankerpersonen“ in Vereinen und Feuerwehren, um gegen die Unterwanderung ganzer Ortschaften durch Neonazis vorzugehen.

Verbot der AfD
Vinke sprach sich für ein Verbot der AfD aus. Und: Man müsse das Gespräch suchen. Zu den Menschen dort÷÷÷÷÷hin gehen, wo die Probleme sind. Mit ganzer Kraft müsse man sich für die freiheitliche Demokratie einsetzen. Vinke: „Das sind wir den Freiheitskämpfern im Dritten Reich schuldig.“ Dass Tisa von der Schulenburg bei den Menschen und ihren Problemen war, wird bei ihren Gedanken und Themen der Stele deutlich, die Schwester Benedicta vorlas: Berliner Arbeitslose, die Tisa Anfang der 1930er-Jahre in einem Berliner Arbeitsamt zeichnete. „Not, Hunger und Aussichtslosigkeit jener Jahre.“ Straßenkämpfe, Bombenangriffe, KZ-Gefangene. Und das Bild von Hans Scholl mit dem Kopf auf dem Schaffott und seinem berühmten letzten Satz: „Es lebe die Freiheit.“

Bürgermeister Tobias Stockhoff erinnerte an den Satz von Sophie Scholl, der ihn am meisten bewegt habe: „Einer musste ja schließlich damit anfangen.“ Sophie und Hans Scholl hätten eindringlich vor Augen geführt, „dass jeder anfangen kann“. Das könne im Beruf, in der Familie, im Verein, in der Politik sein. „Es reicht schon einfach, nicht weg zu sehen. Widersprechen, wenn insbesondere in Sozialen Medien gehetzt und gelogen wird.“

Bei Holger Lohse habe er während des Vortrags von Vinke ein Strahlen im Gesicht gesehen, verriet Stockhoff. Der Grund: Zwei Jugendliche waren im strömenden Regen an der Stele vorbeigekommen und hatten sich die Textplatten durchgelesen. Lütkenhorst: „Dieser neue Standort soll Mut machen, gegen das Böse zu sein.“

Gedenken

Altbürgermeister Lambert Lütkenhorst schilderte zu Beginn die Chronologie des Todestages der Geschw

Die Tisa-Stele zu Ehren der Geschwister Scholl

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