Verein für Orts- und Heimatkunde Dorsten e.V.

Übergabe Stadtbücher

Zerfall des Bürgerbuchs gestoppt - Froh über jeden Buchstaben


Das im Jahr 1414 angelegte Bürgerbuch ist eines der ältesten und wichtigsten Dokumente für die Dorstener Stadtgeschichte. Der mittelalterliche Papierband verzeichnet Einnahmen der alten vestischen Stadt – des averlippischen Zehnten – und die Einträge der Neubürger Dorstens von 1600–1798.

Im Rahmen einer Feierstunde im Alten Rathaus am 20. Oktober 2015 erfolgte die Übergabe der restaurierten Stadtbücher an die Stadt Dorsten. Nach einer Einführung durch Bürgermeister Tobias Stockhoff hielt Guido Heinzmann den Festvortrag und referierte u.a. über den kulturellen Wert der Stadtbücher und den Verlauf der Restaurierung in Münster. Auf Initiative von Archivar Martin Köcher unter maßgeblicher Arbeit von Dr. Guido Heinzmann und finanziellen Mitteln der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und des Vereins für Orts- und Heimatkunde Dorsten konnte das Projekt meisterhaft abgeschlossen werden. Schlußendlich wird noch eine wissenschaftliche Publikation den Sachstand darlegen.
  

Susanne Fraund, Johannes Götte, Christa Setzer, Martin Köcher, Dr. Guido Heinzmann, Dr. Josef Ulfkotte, Tobias Stockhoff (v.l.)

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Bürgerbuch während des Luftangriffs auf die südlich der Lippe gelegene Stadt im März 1945 schwer beschädigt: Das Gebäude, ein ehemaliges Polizeigefängnis, wurde von Bomben getroffen, durch das Dach und die zerborstenen Fenster drang der Regen ein. Die feuchten Lagerungsbedingungen führten zu starken Schäden und Verlusten am Schriftgut. Als auseinandergerissenes, mit Schimmelpilzen durchwachsenes und verklebtes Papierbündel lagerte der nach den Kriegswirren geborgene Band bis 2011 in einem Karton. Die verblockte Handschrift war von Mäusen angefressen und zuweilen von Insekten bewohnt worden. Aufgrund der starken Beschädigungen konnte das Bürgerbuch bisher nicht historisch ausgewertet und aufgearbeitet werden.

Die Restaurierung gestaltete sich schwieriger und aufwändiger als angenommen. In mühevoller Kleinstarbeit trennten Restauratoren die einzelnen Seiten voneinander, doch nebenbei förderten diese Arbeiten Pergamentblätter zutage. Recherchen ergaben, dass  es sich um Fragmente aus einem weiteren bedeutenden Stadtbuch, dem 1432 angelegten Liber statutorum handelt, das die Statuten der Stadt Dorsten verzeichnet. Für die Restaurierung des Liber statutorum konnten Sponsoren in Dorsten gewonnen werden. Die gemeinsame Anstrengung von LWL-Archivamt, Stadtarchiv Dorsten, dem Verein für Orts- und Heimatkunde und Sponsoren sowie die von Bund und Ländern bereitgestellten Mittel ermöglichten schließlich den Erhalt von zwei zentralen Dokumenten des mittelalterlichen Dorsten.

Mit den beschädigten mittelalterlichen Dorstener Stadtbüchern beschäftigte sich eine Arbeitsgruppe um Dr. Guido Heinzmann und René Franken. Eine Bestandsaufnahme des Istzustandes der Bücher bzw. relevante Publikationen zum Thema sind 2009 in der Vestischen Zeitschrift Band 102 unter dem Titel "Die untergegangenen mittelalterlichen Stadtbücher" publiziert worden. Die Bücher wurden im Westfälischen Archivamt in Münster restauriert. Nachlässe von Heinrich August Erhard (Landesarchiv Münster) oder von Albert Weskamp (Vestisches Archiv Recklinghausen) werden darüber hinaus als mögliche Quelle zur Rekonstruktion von Verlusten geprüft. Weitere Publikationen und Editionen zum Forschungsgegenstand sind angedacht.

Die Presse berichtee darüber:

"Froh über jeden Buchstaben" in WAZ, 4.1.2012

"Zerfall des Bürgerbuchs gestoppt" in WAZ, 10.10.2012

Video von Jürgen Moers über die Feierstunde

 

 

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