Verein für Orts- und Heimatkunde Dorsten e.V.

Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg

Wie erlebte Dorsten den 1. Weltkrieg?


Die Arbeitsgruppe um Ewald Setzer beschäftigte sich mit dem Jahr 1914 in Dorsten. In Kooperation mit der Dorstener Zeitung beleuchtete die Gruppe Dorstener Geschichten im Zusammenhang mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

Bild: Ewald Setzer arbeitete sich im Stadtarchiv durch den Zeitungsband der Dorstener Volkszeitung von 1914 und andere Dokumente.

Das Ergebnis finden Sie als Faltblatt unter Einst und Jetzt. Zum Start des Projektes hat Anke Klapsing-Reich folgenden Artikel für die Dorstener Zeitung geschrieben:

Wir suchen Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg

Mit „Hurra“ ins Gefecht: Auch Dorstener zogen vor 100 Jahren in den Ersten Weltkrieg. Ewald Setzer arbeitet sich durch zeitgenössische Quellen.

DORSTEN, 15.03.2014

„Eine patriotische Kundgebung, hervorgerufen durch die politischen Ereignisse zwischen Oesterreich und Serbien, hat jetzt auch unsere Vaterstadt Dorsten gehabt. Am Montag spät abends zog eine vielköpfige Menge durch die Straßen unserer Stadt und brachte am Kriegerdenkmal begeisterte Hochrufe auf Oesterreich und Deutschland aus. Mit Freude verzeichnen wir, daß auch in unserer Vaterstadt solche Rufe des Patriotismus laut geworden sind. Sie sind ein Beweis, daß auch die Dorstener treu deutschen Sinnes sind, bereit, zu gegebener Stunde ihre Pflichten gegen das Vaterland zu erfüllen.“

Ewald Setzer ist engagiertes Mitglied im Verein für Orts- und Heimatkunde Dorsten, mit der Stadtarchivarin Dorstens verheiratet und als (nunmehr pensionierter) Zeitungsredakteur in der Recherche bestens erprobt – optimale Voraussetzungen also, im Jubiläumsjahr „100 Jahre Ausbruch 1. Weltkrieg“ der Frage nachzuspüren, wie damals die Dorstener die Herausforderungen und Erfordernisse dieser außergewöhnlichen Zeit gemeistert haben. Als vorrangige zeitgenössische Quelle knöpfte sich Ewald Setzer den Jahresband 1914 der Dorstener Volkszeitung vor. „Der drohende Krieg, der im Sommer 1914 spürbar in der Luft hing, löste bei den Deutschen mehr Begeisterung als Beunruhigung aus“, konstatiert Ewald Setzer.

So meldete die Dorstener Volkszeitung am 29. Juli 1914:

„Eine patriotische Kundgebung, hervorgerufen durch die politischen Ereignisse zwischen Oesterreich und Serbien, hat jetzt auch unsere Vaterstadt Dorsten gehabt. Am Montag spät abends zog eine vielköpfige Menge durch die Straßen unserer Stadt und brachte am Kriegerdenkmal begeisterte Hochrufe auf Oesterreich und Deutschland aus. Mit Freude verzeichnen wir, daß auch in unserer Vaterstadt solche Rufe des Patriotismus laut geworden sind. Sie sind ein Beweis, daß auch die Dorstener treu deutschen Sinnes sind, bereit, zu gegebener Stunde ihre Pflichten gegen das Vaterland zu erfüllen.“

Doch auch die zweite wichtige lokale Quelle – die Protokolle des Kriegsausschusses von 1914 bis 1919 – zapft der Hobbyforscher mit großem Erfolg an. „Rund 500 Dorstener zogen direkt zu Beginn in den Krieg“, resümiert Ewald Setzer, wobei mit Dorsten zu dieser Zeit ungefähr das Gebiet der heutigen Altstadt gemeint ist. Die Hardt, Altendorf-Ulfkotte und Östrich gehörten noch nicht dazu. 7921 Einwohner, davon 4104 Männer, wurden zu dieser Zeit auf Dorstener Gebiet gezählt.

Auch Karl Wolters zählte zu den Soldaten der ersten Stunde. Der Dorstener war im Sommer 1914 als Feldwebel in der Garnison Metz stationiert. „Mitte der 1930er-Jahre hat er seine Kriegserinnerungen niedergeschrieben und mit zahlreichen Fotos dokumentiert“, freut sich Setzer, dass er aus dieser aussagekräftigen Quelle schöpfen kann. „Der erste Teil seiner Erinnerungen trägt die Inschrift ,Soldat sein dauert über Krieg und Frieden‘, der zweite Teil, so sein handschriftlicher Nachtrag von 1945, wurde durch Bomben vernichtet.“ Die Schilderungen des Dorstener Kriegsteilnehmers führen die unvorstellbare Brutalität der Kriegsführung vor Augen. Karl Wolters hatte Glück: Von den fast 1000 Dorstener Männern, die als Soldaten kämpften, kehrte er Jahre später in seine Heimatstadt zurück. Mehr als 300 Dorstener Söhnen gelang das nicht: Sie bezahlten ihren Einsatz mit ihrem Leben. Wenn Sie Postkarten oder Feldpostbriefe von Opa besitzen, Orden, Dokumente oder Onkels Kochgeschirr im Schrank aufheben – dann erzählen Sie uns davon. Wir suchen in Kooperation mit dem Verein für Orts- und Heimatkunde nach Geschichten, die hinter diesen Erinnerungsstücken stecken. Wir sind gespannt!

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