Verein für Orts- und Heimatkunde Dorsten e.V.

Bürgermeister - Biographie

Bürgermeister Alexander de Weldige-Cremer


 Alexander Wilhelm Napoleon de Weldige gen. Cremer: Bürgermeister der Stadt Dorsten von der 1848er Revolution bis ins Kaiserreich

Im Archiv der Stadt Dorsten war über den Dorstener Bürgermeister, der die Geschicke der Stadt von der 1848er Revolution bis ins Kaiserreich leitete, folgendes zu erfahren:

Alexander Wilhelm Napoleon de Weldige genannt Cremer, wurde am 2. Juni 1805 als fünftes Kind des Dorstener Kaufmanns und Fabrikanten Johann Bernhard Joseph de Weldige genannt Cremer (1770 – 1847) und seiner Ehefrau Cornelia Anna Maria, geb. Rive (1775 – 1860) in Dorsten geboren. Seine Mutter war die Tochter von Franz Ignaz Wilhelm Rive, Magistratsassessor zu Dorsten. Wie sein Vater besuchte Alexander Wilhelm Napoleon das Gymnasium Petrinum, das er 1821 verließ. Danach arbeitete er als Schreiber in Westerholt. In den Revolutionsjahren 1848/49 war er kommissarischer, dann von 1850 – 1874 gewählter Bürgermeister der Stadt Dorsten. Von 1859 – 1865 war er Vorsitzender der Handwerker-Prüfungskommission. Er heiratete am 28. August 1829 Elisabeth Rensing (1805 – 1868), Tochter des Dorstener Eisenwarenhändlers Vinzenz Resing. Aus seiner Ehe gingen drei Kinder hervor. Alexander Wilhelm Napoleon de Weldige gen. Cremer starb am 11. September 1874 in Dorsten.

 

Der Maler des Bürgermeister-Porträts: Elias Büsken

Viel besser sind wir über den Maler seines Porträts informiert. Dabei handelt es sich um den Franziskanerbruder Elias Büsken. In einer Festschrift der Franziskaner ist über ihn zu lesen:

„In Br. Elias tritt uns ein schaffensfreudiger Künstler und zugleich ein Original entgegen, dessen Andenken nicht verloren gehen darf. Er wurde in Raesfeld am 8. November 1816 geboren und bildete sich in seiner Jugend als Maler und Anstreicher aus. Als Geselle war er in Bocholt, wo er sich durch allerhand lustige Streiche einen Namen erwarb.

Seit dem 16. Mai 1845 finden wir Büsken unter dem Namen Br. Elias als Novizen in Warendorf. Er war einer der ersten, die nach den Jahren der Säkularisation das Ordenskleid erhielten. Das Noviziat machte er unter dem strengen Guardian und Instruktor P. Cyriakus Menke.

Humor und Schalkhaftigkeit begleiten Br. Elias durchs ganze Leben. Mag sein, daß er infolgedessen nicht immer ganz einwandfrei handelte. Dessen wird er sich kaum bewußt gewesen sein. Jedenfalls war er ein guter Ordensmann, der manche Beweise der Tugend gegeben hat. Insbesondere war er darauf bedacht, daß die Liebe gewahrt und jeder Streit verhütet werde. In seinen alten Tagen, als er nicht mehr recht sehen konnte, ließ er beim Frühstück oft Reste vom Kraut auf dem Tisch zurück. Der Bruder Refektorar wurde unwillig darüber und tadelte ihn. Das nahm Br. Elias ganz ruhig und geduldig hin, und am anderen Morgen brachte er ein Brettchen mit ins Refektor, um die Brotschnitte daraufzulegen und beim Krautschmieren den Tisch sauber zu halten.

Für den seraphischen Orden war Br. Elias sehr begeistert, und um die eigene Ordensprovinz hat er sich viele Verdienste erworben. Aus seiner rührigen Feder stammt eine im Provinzarchiv aufgehobene "Sammlung alter und neuer Schriften", die über die Geschichte der Provinz im verflossenen Jahrhundert wertvolle Aufschlüsse gibt. Daß die Franziskaner 1853 in Düsseldorf eine Niederlassung erhielten, ist nicht zuletzt der Tätigkeit des Br. Elias zu verdanken. Ganz besonders aber hat er sich durch seine verschiedenen Kunstschöpfungen ein bleibendes Andenken in der Saxonia erworben.

Br. Elias war ein eifriger, unverdrossener Maler. Zu größerer Vollendung hat er es freilich als Maler nicht gebracht, obwohl er anfangs der fünfziger Jahre eine Zeitlang die Akademie in Düsseldorf besucht hat. In einer Hinsicht zeichnete er sich jedoch aus: er verstand sehr gut die Farbenharmonie, sodaß seine Gemälde trotz ihrer sonstigen Mängel auf das Auge des Beschauers einen wohltuenden Eindruck machen.

Am bekanntesten sind den Provinzmitgliedern zwei Gemälde des Br. Elias, die einen Gang in St. Ludwig zierten: Die Krippenfeier des hl. Franziskus zu Greccio und die wunderbare Brotvermehrung. Sie haben schon manchen neueintretenden Kandidaten oder jungen Bruder erbaut und ihn zu frommen Gedanken angeregt. Ein großangelegter Heiligenzyklus, den die Bibliothek von St. Ludwig aufbewahrte, ist in den Anfängen stecken geblieben.

Im Jahre 1850 schmückte Br. Elias die Wandbekleidung des Klosterrefektors in Rietberg malerisch aus. Weitere Kunsterzeugnisse des Bruders sind: die Rosenkranzkönigin (Wiedenbrück), eine Madonna, des hl. Antonius von Padua, Jesus der göttliche Kinderfreund und die Märtyrer von Gorkum (Warendorf). Das letztgenannte Werk ist die mehr oder weniger freie Wiedergabe eines Bildes von C. Fracassini (Original im Vatikan), ein gewaltiges Ölgemälde von 3,50m in Höhe und 2,48m in Breite. Als 1867 die Märtyrer von Gorkum heilig gesprochen wurden und aus diesem Anlaß in allen Kirchen der Provinz ein feierliches Triduum stattfand, wanderte das Gemälde von Kloster zu Kloster, um bei der Feier verwandt zu werden.

Kurz vor 1860 malte Br. Elias einen Kreuzweg für die Franziskanerkirche in Warendorf. Als die Patres 1875 in die Verbannung gingen, kam derselbe für 3000 Taler in den Besitz des Kolons Hardensett in der Bauernschaft Velsen. Von diesern erwarb ihn nach einigen Jahren Pfarrkaplan Heinrich Frye für die Alte Kirche in Warendorf. Um dieselbe Zeit wie den Kreuzweg schuf Br. Elias die Gemälde in der Affhüppenkapelle bei Warendorf: je drei in den beiden Rückwänden des Chorgestühls (rechts Guter Hirt und links Mutter Gottes mit dem Jesuskinde, zu ihren Seiten Heilige), ein großes und vier kleine im linken Seitenaltar (Mariä Verkündigung nebst den Heiligen: Joachim und Anna, Zacharias und Elisabeth), und drei im Orgelprojekt (in der Mitte König David mit der Harfe, rechts und links je ein Engel).

In der Herz-Jesu-Kapelle der Warendorfer Franziskanerkirche, die 1869/70 angebaut wurde, sind die Glasgemälde der drei Fenster nach den Entwürfen des Br. Elias hergestellt: in der Mitte der göttliche Heiland, wie er der seligen Margareta Maria Alacoque sein Herz zur Anbetung offenbart, rechts der hl. Josef und der hl. Franziskus, links die Mutter Gottes und die hl. Klara. In seinen letzten Lebensjahren konnte der Meister nicht mehr schaffen, weil sein Augenlicht mehr und mehr nachließ und er schließlich ganz erblindete. Seit 1887 wohnte er in Harreveld, wo er am 9. März 1889 starb.“

(Vita Seraphica 1931)

Die Schenkung des Bildes

Das Bild ist eine Schenkung der Borkener Apothekenfamilie Brinkmann an die Stadt Dorsten. Eine Ur-Urgroßmutter, Tochter des damaligen Bürgermeisters der Stadt, hatte es mit in die Ehe gebracht. Die Apotheke Brinkmann besteht in Borken seit 1825.

Jetzt konnte das Portrait durch Restauratoren der Gruppe Ars Servandi, Essen/ Düsseldorf, fachkundig gereinigt, überarbeitet und neu gefirnisst werden. Die Kosten der Restaurierung übernahm der Verein für Orts- und Heimatkunde Dorsten e.V. Das Ölportrait von Bürgermeister Alexander de Weldige gen. Cremer wird nach seiner Übergabe an die Stadt am Freitag, 29. September 2012, einen Platz im Alten Rathaus finden, das in seiner Jahrhunderte alten Geschichte eine Zeitlang auch als Rathaus fungierte.

J. Ulfkotte

 

Weitere Informationen zu Alexander de Weldige-Cremer:

Taufe am 2. Juni 1805 in Dorsten. katholisch. Mitglied des 12. Provinziallandtages von Westfalen (1856), Mitglied des 17. Provinziallandtages von Westfalen (1864), Wahlbezirk West-Münster, für die Städte Dorsten, Rheine, Coesfeld, Stadtlohn und Recklinghausen. [Quelle: Josef Häming, Die Abgeordneten des Westfalenparlaments 1826-1978, Nr. 1745]

Mitglied des Gründungskuratoriums des Dorstener Krankenhaus St. Elisabeth. [Quelle: Festschrift zum 100jährigen Bestehen des St. Elisabeth-Hospitals Dorsten 1850-1950, S.7]

Mitglied der Kreisversammlung des Kreis Recklinghausen 1863 [Quelle: Statistische Darstellung des Kreises Recklinghausen 1863, S.84]

In der Stadt Dorsten gewählter Wahlmann für die Wahl des Provinziallandtages von Westfalen in Münster für die Wahlperiode 1862-1867 [Quelle: Statistische Darstellung des Kreises Recklinghausen 1863, S.86]

Schüler am Gymnasium Petrinum in Dorsten 1816-1821. Qui circa pascha abiit in Westerholt q. schriba. [Clemens Steinbicker, Dorstener Schülerlisten, Vestische Zeitschrift 76, S.59]

 

Publikationen zu den Bürgermeistern der Stadt Dorsten:


G. Strotkötter, Verzeichnis Dorstener Bürgermeister bis 1800, Vestische Zeitschrift 23, S.42-45
K. Utsch, Beiträge zur Dorstener Bürgermeister- und Stadtsekretärliste, Vestische Zeitschrift 42, S.19-36

 

 

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